Time to say goodbye
Die Trainer der beiden Spitzenteams, Rüdiger Knaack (Standard) und Roberto Albanese (Latein), verkündeten mit kurzem zeitlichen Abstand, dass sie ihre Tätigkeit als Cheftrainer beenden werden. In welcher Form und in welchem Umfang sie ihren Clubs und Formationen weiter zur Verfügung stehen, wird in internen Gesprächen geklärt. Das Publikum dürfte von der Belastung, unter der die Teams standen, nichts gemerkt haben, denn beide Teams „lieferten ab“ und erfüllten die in sie gesetzten Erwartungen.
Standard: Knapper geht es kaum
Die Standardsektion ist dramatisch ausgedünnt. Es gibt nur noch die erste und zweite Bundesliga, aber keinen „Unterbau“ in Form von Regionalliga oder Landesligen. Das Niveau der ersten Liga ist – bei allem Respekt vor den Leistungen der Mannschaften – nicht mehr mit dem früherer Jahre zu vergleichen.
Zum Start in die Saison präsentierte sich die erste Liga mit drei Aufsteigern aus der zweiten Liga, darunter zwei B-Teams, die erwartungsgemäß die Plätze sieben (Nürnberg B) und acht (Nienburg B) belegten. Düsseldorf Rot-Weiß führte mit Platz sechs die Gruppe der Aufsteiger an, der TC Royal Oberhausen stellt auf Platz fünf das beste Team der zweiten Hälfte.
Im Finale fanden sich die etablierten Teams Braunschweig, TC Ludwigsburg und Nürnberg sowie Nienburg A (Platz vier der Bundesligasaison) wieder. Braunschweig eröffnete die Schlussrunde mit der neuen Choreografie zum vieldeutigen Thema „Unforgettable“, Rüdiger Knaacks 17. Choreografie für den Braunschweiger TSC. Im Mittelpunkt stehen die Weltstars Meat Loaf und Tina Turner mit ihrer in der Tat unvergesslichen Musik. Die Braunschweiger betraten die Fläche und tanzten bereits auf hohem Niveau, bevor überhaupt das Signal für den Beginn der zu bewertenden Zeit ertönte – deutlicher kann man seinen Anspruch auf den Titel kaum zeigen. Die Wertung zeigte die geheimnisvolle Zahl 35,19 an – da war nicht mehr viel Luft nach oben.
Die Entscheidung sollte nicht lange auf sich warten lassen, denn an zweiter Position startete der 1. TC Ludwigsburg mit „Rise of The Black Swan“. Die mit vielen Schwierigkeiten gespickte Choreografie basiert auf Tschaikowskis Ballettmusik „Schwanensee“ und das Team zeigte wie in den beiden Runden zuvor eine beeindruckend starke Leistung. Das zwölfköpfige Wertungsgericht – davon ein Drittel Damen – machte sich die Entscheidung sicher nicht leicht und vergab insgesamt 35,13 Punkte; damit war die zweite Stelle hinter dem Komma für den zweiten Platz „verantwortlich“.
„Out Of The Storm“ begab sich das A-Team aus Nürnberg mit seiner neuen Choreografie, die es im Hinblick auf technische Anforderung und Schwierigkeitsgrad durchaus mit den Vorträgen der beiden Top-Teams aufnehmen kann. Nürnberg hat sich in der Spitzengruppe der Liga etabliert und fand sich mit dem dritten Platz erneut darin bestätigt.
Auch das vierte Team im Finale, Blau-Gold-Nienburg, ging mit einem neuen Programm an den Start und verlegte sich auf „Rock & Rhythm“ zur Musik von unter anderem U2 und Lady Gaga. Gute Übergänge und fließende Bilderwechsel trugen zu dem guten Eindruck bei, den das A-Team über drei Runden hinweg hinterließ und der zum vierten Platz im Endergebnis führte.
Formationen Standard
1. Braunschweiger TSC A (35,191)
2. 1. TC Ludwigsburg A (35,125)
3. TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg A (32,058)
4. TSC Blau-Gold Nienburg A (29,800)
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5. TC Royal Oberhausen A (28,821)
6. TD TSC Düsseldorf Rot-Weiß A (25,913)
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7. TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg B (22,142)
8. TSC Blau-Gold Nienburg B (21,574)
Latein: Deutlicher Sieg für Bremen
Wenn ein „Lateinclub“ die Deutsche Meisterschaft ausrichtet, dann bildet das Lateinfinale den krönenden Abschluss. So war es auch beim Grün-Gold-Club Bremen in der ÖVB-Arena. Das Lateinfeld war insgesamt sehr attraktiv – der in dieser Sektion noch vorhandene Unterbau wirkt sich positiv auf die Qualität in der ersten Liga aus. Die beiden Aufsteiger aus der zweiten Bundesliga, Walsrode und Bremerhaven, positionierten sich in dieser Reihenfolge vor dem Lateinteam des 1. TC Ludwigsburg. Mit dem fünften Platz führte das B-Team des Grün-Gold-Clubs Bremen die zweite Hälfte des Feldes an.
Insgesamt – das gilt für alle Mannschaften in Standard und Latein – wurden keine spektakulären choreografischen Neuerungen präsentiert und riskante Manöver allenfalls in die nicht zu bewertenden Teile eines Auftritts gelegt.
Das Finale wurde wie in der Standardsektion von einem klaren Titelaspiranten eröffnet. Das A-Team des Grün-Gold-Clubs Bremen präsentierte den vielleicht nicht ganz so wörtlich zu nehmenden „Last Dance!“ seines Cheftrainers Roberto Albanese mit einer wie gewohnt anspruchsvollen Choreografie, die auf elegante Weise die Größenunterschiede der Aktiven berücksichtigte. Die Wertung lag mit 35,83 schon sehr hoch, aber in Anbetracht des erfreulichen Niveaus in der ersten Liga war Geduld ein guter Ratgeber. Nach den Auftritten der drei weiteren Finalisten war der 20. Deutsche Meistertitel für Bremen gesichert – so viele Titel wie die TSG Bremerhaven zwischen 1976 und 2006 gesammelt hatte.
Die Residenz Ludwigsburg hatte sich „The Power of Music“ als Thema gestellt und bewältigte mit gutem Tanzen die anspruchsvollen Aufgaben der Choreografie und die technischen Anforderungen zum Beispiel in einer originellen Variante der „Sitz-Pirouette“. Im Finale gab es aber einen deutlichen Patzer bei einer anderen Pirouettenaufgabe, so dass es nur zum vierten Platz reichte.
Das immer ambitionierte Team Blau-Weiß Buchholz hatte eine neue, originelle Hebefigur im Programm, natürlich im nicht bewerteten Teil, in dem Hebungen nicht zulässig sind. „On the floor“ heißt das neue Programm, mit dem Buchholz den zweiten Platz vom Vorjahr und aus der vergangenen Saison festigte. Ebenfalls ein neues Programm präsentierte die TSG Bietigheim, die seit 2022 in der ersten Bundesliga am Start ist. Zu „Electric Love“, inspiriert von gleichnamigen Musikfestival, das jährlich in Salzburg stattfindet, realisierte das Team gute Ideen in der Choreografie und holte damit nach 2024 zum zweiten Mal die Bronzemedaille.
Für die Spitzenteams stehen in diesem Jahr noch die Weltmeisterschaften an: Weltmeisterschaft Standard am 6. Dezember in Braunschweig, Weltmeisterschaft Latein am 13. Dezember in Wiener Neustadt (Österreich).
Formationen Latein
1. Grün-Gold-Club Bremen A (35,833)
2. Blau-Weiß Buchholz, TSA A (33,533)
3. TSG Bietigheim A (31,483)
4. TSC Residenz Ludwigsburg A (31,166)
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5. Grün-Gold-Club Bremen B (30,499)
6. TSC Walsrode A (29,149)
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7. TSG Bremerhaven A (26,308
8. 1. TC Ludwigsburg A (25,980)
von Ulrike Sander-Reis Uhr