Abschied mit Titel Nummer zwölf

Formationen Standard und Latein

Abschied mit Titel Nummer zwölf

Braunschweig gewinnt WM, Ludwigsburg auf Platz zwei

Foto: Volker Hey

Mit dem zwölften Weltmeistertitel für den Braunschweiger TSC nimmt Rüdiger Knaack nach 36-jähriger Tätigkeit seinen Hut und verlässt den Trainerstuhl. Der 1. TC Ludwigsburg, der bereits im vergangenen Jahr das Dutzend Titel erreicht hatte, belegte zum elften Mal den zweiten Platz.

Weltmeister Braunschweiger TSC, Foto: vh

Die Zeiten, in denen die Startlisten auf Formationsweltmeisterschaften mit über 20 Teilnehmern kaum noch auf eine Seite passten, scheinen fürs erste vorbei zu sein. Zehn Teams aus sieben Nationen gingen in der bewährten Braunschweiger Volkswagen Halle an den Start und tanzten am Nachmittag ihre Vorrunde, durften sich aber nach Entscheidung der Turnierleitung allesamt am Abend noch einmal präsentieren. Für die vier danach ausgeschiedenen Mannschaften änderte sich die Reihenfolge nach dem zweiten Auftritt, aber die sechs Finalisten hatten schon nach der Vorrunde festgestanden – die Mongolei, eine Mannschaft aus der Tschechischen Republik sowie jeweils beide Teams aus Österreich und Deutschland bestritten die Endrunde.

Das Team TSK Juventus Wien hat sich des Themas „Wasser“ angenommen und schickte die Damen in farblich dazu passenden blauen Kleidern auf die Fläche. Die „Wasserspiele“ hatten in den ersten beiden Durchgängen einen guten Eindruck hinterlassen, so dass der Platz im Finale verdient war. Wie auf der nationalen Meisterschaft musste Juventus allerdings der Konkurrenz vom TSC Schwarz-Gold Wien wieder den Vortritt lassen. „Unstoppable“ („unaufhaltsam“) heißt dessen neues Thema, das weiträumig über die gesamte Fläche präsentiert wurde und auf große Ansprüche schließen lässt. In Braunschweig gab es den fünften Platz knapp vor der nationalen Konkurrenz. Die Formation „Starlet“ aus Brno (Brünn) war zuletzt 2022 international am Start, aber nicht im Finale der WM und EM, die beide in diesem Jahr ausgetragen wurden. Mit der Choreografie zum Thema „A cappella“ will das Team Einheit, Energie und Teamarbeit zum Ausdruck bringen – alles, was eben auch für guten A-Cappella-Gesang benötigt wird. Die in goldfarbene Kleider gehüllten Damen und ihre Herren zeigten gute Bildentwicklungen und vor allem im zweiten Durchgang eine solide Leistung, die für den Einzug ins Finale sicher hilfreich war. Platz vier war der Lohn.

Die weiteste Anreise hatte das Team Moon Dance aus der Mongolei. Moon Dance ist bisher nur aus der Lateinsektion bekannt und startet auch wieder auf der WM (am 13. Dezember in Österreich). Das Thema „Strings of the Soul“ bezieht sich auf Saitenstrumente wie Violine und Cello, körperlich dargestellt von den Damen. Der ganze Auftritt war eine gelungene, unterhaltsame Show, bei der das Standardtanzen nicht im Vordergrund steht. Nur zwei Wertungsrichter waren von der „Technical quality“ nicht ganz so überzeugt, aber insgesamt und vor allem mit den Wertungen in „Team skill“ und „Choreography and Presentation“ reichte es für den dritten Platz.

Vizeweltmeister Ludwigsburg, Foto: vh

Im Duell an der Spitze hatte der 1. TC Ludwigsburg den verletzungsbedingten Ausfall eines Herrn und damit des ganzen Paars kurz vor der WM zu verkraften – und das gelang dem Team auf sensationelle Weise. Die etwas mystische Geschichte um „The Rise of the Black Swan“ wurde in tänzerischer Perfektion erzählt und so geschickt präsentiert, dass die nach den Regeln zulässige, aber ungewöhnliche „Unterzahl“ gar nicht auffiel. Die Wertungen fielen entsprechend gut aus, aber zu diesem Zeitpunkt hatte der Braunschweiger TSC bereits seinen Auftritt absolviert und mit 36 Punkten eine nicht einholbare Marke gesetzt. Braunschweig hatte sein Thema „Unforgettable #17", eine Hommage an die Künstler Meat Loaf und Tina Turner, um den Zusatz „The final Curtain“ ergänzt und gab die würdige Abschiedsvorstellung für den Erfolgstrainer Rüdiger Knaack. Ihm war es immer wieder gelungen, Choreografien zu entwickeln, die so leicht aussehen und so hohe Schwierigkeiten enthalten, wie sie in dieser Häufung selten gewagt werden. Die Tänzerinnen und Tänzer erfüllten wie so oft die Erwartungen ihres Trainers und setzten das um, was von ihnen verlangt wurde. Der Erfolg - 36 Punkte und Titel Nummer zwölf – folgten unverzüglich.

Weltmeisterschaft Formationen Standard
1. Braunschweiger TSC, Deutschland (36.000)
2. 1. TC Ludwigsburg, Deutschland (35.326)
3. Moon Dance, Mongolei (34.676)
4. Starlet Brno, Tschechische Republik (32.146)
5. TSC Schwarz Gold A-Team Standard, Österreich (30.717)
6. TSK Juventus Wien A-Team, Österreich (30.363)

von Ulrike Sander-Reis Uhr

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